10 Dinge, die man NIEMALS zu einem Schmerzpatienten sagen sollte

10 Dinge, die man NIEMALS zu einem Schmerzpatienten sagen sollte


Ich muss zugeben, dass ich schon immer ein sehr sensibler Mensch war. Auch vor meiner Schmerzerkrankung brachte mich schon die kleinste Kritik, und war sie noch so nett gemeint, an meine Belastungsgrenzen, wollte ich doch immer alles perfekt machen.

Und trotz meiner gewissen Sensibilität gibt es Dinge, die man NIEMALS gegenüber einem Schmerzpatienten sagen sollte.




«Stell‘ dich nicht so an!»

Definitiv mein Platz eins. Wie oft habe ich diesen Satz in den letzten zwei Jahren schon hören müssen und jedes Mal wieder verletzt er mich.
Als Außenstehender kann man nicht nachvollziehen, was ein Schmerzpatient jeden Tag durchmachen muss und es steht niemandem zu, den Schweregrad einer individuellen Erkrankung zu beurteilen.
Bemerkenswerterweise wird dieser Satz oft von Menschen verwendet, die sich schon bei einer einfachen Erkältung dem Tode nahe fühlen.


«Das ist nur in deinem Kopf!»

Zugegeben — es gibt Fälle, in denen eine psychische Erkrankung körperliche Symptome auslösen kann. Aber wenn körperlich nichts oder nicht viel gefunden werden kann, landen wir oft in der Restkategorie «psychosomatisch».
Die meisten begehen hier einen gravierenden Fehler: Wir haben Stress/Ängste/Depressionen, weil wir Schmerzen haben. Nicht andersherum.


«Du willst ja gar nicht gesund werden!»

Nein, natürlich nicht. Ich habe gerne Schmerzen, die mich an den Rand der Verzweiflung treiben und mich von all dem abhalten, was ich gerne tun würde. Schon als Kind war das mein Lebenstraum.


«Immerhin ist es nicht tödlich!»

Oft als Ermunterung gemeint, weil man keine Ahnung hat, was man sonst sagen soll.
Aber es kommt nicht so positiv an, wie es vermutlich gemeint ist. In schlimmen Momenten des Schmerzes wünscht sich der ein oder andere manchmal den Tod, anstatt auf ewig zu leiden.


«Es könnte schlimmer sein!»

Das mag in vielen Fällen sogar stimmen! Hilft trotzdem nicht weiter.
Wenn der Schmerz nicht unter Kontrolle zu bekommen ist, befindest du dich trotzdem in deiner ganz persönlichen Hölle.


«Aber du siehst gar nicht krank aus!»

Sehen wir Mördern oder Vergewaltigern ihre Taten an?
Nicht alles, was du bist, sieht man dir auch an. Davon abgesehen sind die meisten Schmerzpatienten wahre Künstler darin, ihre Schmerzen so gut es geht hinter einem Lächeln zu verstecken und stark zu sein — oder zumindest so zu tun.
Krankheiten, die äußerlich nicht als solche zu erkennen sind, führen oft zu einem weiteren Problem: Das aufkommende Gefühl, dass die anderen Menschen glauben, dass du deine Schmerzen nur vorspielst.


«Ich wünschte, ich könnte genau wie du auch den ganzen Tag zuhause bleiben!»

Natürlich ist es von außen verlockend, nicht arbeiten zu «müssen». Aber wenn du nicht arbeiten gehen kannst, obwohl du unbedingt willst, ist es eine ganz andere Geschichte. Ich habe das Glück, dass ich von zuhause studieren kann, aber ich würde trotzdem eine Menge geben, um ein ganz «normales» Studium absolvieren zu dürfen. Ganz zu schweigen von der Angst, dass man nie in der Lage sein wird, arbeiten zu gehen und sein eigenes Geld verdienen zu können — oder seinen eigenen Haushalt zu führen.
Es ist toll, sich mal für ein paar Tage vor Netflix zu parken, aber bei allem, was darüber hinaus geht möchte ich gerne mit einem Vollzeitarbeiter tauschen.


«Tut mir leid für dich!»

Wieder so eine schnell gesagte Floskel, die in den meisten Fällen gut gemeint sein dürfte.
Wenn ich jedes Mal, wenn ich das höre, einen Euro bekommen würde, wäre ich vermutlich schon jetzt, mit 21 Jahren, Millionärin.
Ich weiß Mitgefühl zu schätzen (wird einem doch von anderer Seite Schauspielerei vorgeworfen), aber im Grunde sagt dieser Satz rein gar nichts aus. Ein «Ich bin für dich da» bewirkt da schon wesentlich mehr.


«Du bist zu jung, um (diese) Schmerzen zu haben!»

Danke für den Hinweis! Ich werde nächstes Mal einfach meinen Personalausweis bereit halten.
Du kannst krank werden und Schmerzen haben, ganz egal, wie alt du bist. Das Alter ist hier völlig irrelevant.


«Denk positiv!»

Optimismus ist ganz sicher wichtig und hilfreich, wenn es um chronische Schmerzen geht. Ohne geht es eigentlich nicht, aber damit allein ist es nicht getan. Nur weil du denkst, dass es besser wird, bist du nicht geheilt.
Ich habe mich oft zum positiven Denken gezwungen und mich dann völlig erschöpft wiedergefunden, weil ich über meine Grenzen hinaus gegangen bin.





Ich hoffe, dass ich ein wenig Licht ins Dunkeln bringen konnte, was ein Schmerzpatient ganz sicher niemals hören will.
Man wünscht sich in jedem Falle Unterstützung, aber bestimmte Sätze können alles noch schlimmer machen, als es sowieso schon ist.


Was jetzt das Beste ist, was man sagen kann?

Ich glaube dir.

Dieser Satz kann kleine Wunder bewirken. Das Gefühl ist unglaublich, wenn man nicht ständig beweisen muss, dass man krank ist.


Bleibt tapfer und passt auf euch auf,

Kathi




3 Kommentare zu “10 Dinge, die man NIEMALS zu einem Schmerzpatienten sagen sollte”

  • Hallo an alle die das Lesen, ich bin inzwischen 14 Jahre und ich leide seit ca. 4 Jahren an der chronischen Krankheit CRMO. Diese Krankheit ist sehr unbekannt und wird deswegen auch «one in a million» Krankheit genannt ich leide seit 4 Jahren ununterbrochen unter staken Schmerzen. ES WIRD BESSER AN ALLE DENEN ES SCHLECHT GEHT KÖRPERLICH, PHYCHISCH ODER SONDST WAS. !!!ES WIRD VADAMMT NOCH MAL BESSER!!!

    • Hallo Eva!
      Schön, dass du hergefunden hast! 🙂
      Ich muss gestehen, dass ich die Krankheit CRMO bis jetzt auch nicht kannte, aber was man an Infos darüber findet, liest sich sehr schmerzhaft. Vor allem in so einem jungen Alter sollte man nicht solche Schmerzen ertragen müssen.
      Das tut mir sehr leid!
      Aber schön, dass du so eine positive Einstellung hast und mit deinem Schicksal umzugehen weißt.
      Ich wünsche dir alles erdenklich Gute!

  • Liebe kathi! wie lange habe ich darauf gewartet, das jemand erkennt, wie es ist. danke!genauso so fühle ich mich. ich denke ständig das die anderen menschen meinen, ich würde simulieren. allem voran, die ärzte!(natürlich ist es nicht so).seit 2 jahren kämpfe ich täglich mit schmerzen.2 bandscheibenvorfälle (ich bin 51) und polyneuropathie. und eben deswegen habe ich ängste, und deprissionen und oft wut im bauch! es ist traurig, das ich immer noch schief angeschaut werde, gerade wenn ich das tu erklären versuche. dir und auch eva, noch alles gute!

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