Cake — Ein Film im Realitätscheck

Cake — Ein Film im Realitätscheck


Claire Bennett leidet. Ganz offensichtlich erträgt sie ständig physische Schmerzen — das wird deutlich durch ihren von Narben übersäten Körper und durch ihre Haltung — sie stöhnt bei jedem zögernden Schritt. Aber auch ihren emotionalen Schmerz kann sie schlecht verbergen: Fast in jeder Äußerung bricht die Wut aus ihr hervor. Auf diese Weise hat sie ihren Ehemann und alle Freunde vertrieben — sogar von ihrer Schmerzsyndrom-Selbsthilfegruppe wird sie ausgeschlossen.
In ihrem einsamen Leben hat Claire nur noch Kontakt zu ihrer Haushälterin Silvana. Doch dann begeht Nina Selbstmord — sie gehörte zu Claires Selbsthilfegruppe. Daraufhin entwickelt Claire eine neue fixe Idee: Obwohl sie Nina kaum kannte, beginnt sie deren Todesfall zu untersuchen und gerät so in die Grauzone zwischen Leben und Tod, Isolation und Herzschmerz, Gefahr und Erlösung. Dass sie sich ins Leben von Ninas Mann und Sohn drängt, könnte für Claire tatsächlich die Rettung bedeuten. (Quelle: Warner Bros.)





«Cake» stand sehr lange auf Platz 1 der Liste von Filmen, die ich unbedingt sehen wollte. Ein Film über das Leben einer Schmerzpatientin — klar, dass ich mir das nicht entgehen lassen konnte.
Die sonst aus Komödien und Liebesdramen bekannte Schauspielerin Jennifer Aniston verkörpert die schmerzkranke Claire, Nina wird dargestellt von «Pitch Perfect» -Star Anna Kendrick.


Gute Idee — weniger gute Umsetzung


Was ich mir als wahnsinnig traurigen und insgesamt emotionalen Film vorgestellt hatte, entpuppte sich leider sehr schnell als Enttäuschung. Das ganze Drama zog sich über 102 Minuten und ich fragte mich mehr als einmal, wann der Film wohl zu Ende sein würde — eindeutig kein gutes Zeichen.

Es fing eigentlich recht gut an. Der Film beginnt mit einer Szene aus Claire’s Schmerz-Selbsthilfegruppe, in der gerade der Suizid von Nina, ihrerzeit ebenfalls Mitglied, aufgearbeitet wird. Man bekommt bereits zu Anfang einen Einblick in Claire’s Persönlichkeit, da sie im Gegensatz zu den anderen Gruppenmitgliedern eine etwas andere, weniger emotionale Art hat mit dem Verlust von Nina umzugehen.
Man erlebt Claire in ihrem eher einsamen Alltag, lediglich mit ihrer Haushälterin Silvana hat sie wirklichen Kontakt. Ohne anfangs zu wissen, an was sie eigentlich leidet und woher ihre Schmerzen kommen, ist ihr Schmerzmittelkonsum mit eines der größten Themen des Films. Sie bringt Arzt- und Therapiebesuche hinter sich, in denen sie nicht immer wahrheitsgemäß auf Fragen zu ihrem Gesundheitszustand antwortet, und beschäftigt sich intensiv mit Nina’s Schicksal und ihrer hinterbliebenen kleinen Familie.

Das größte Problem, was ich mit der filmischen Umsetzung der doch interessanten Geschichte habe, ist, dass die ganze Zeit über kein klares Ziel deutlich wird. Wo soll der Film hinführen? Geht es um Claire’s Kampf mit ihren Schmerzen, an deren Ende sogar vielleicht ein Happy End steht? Geht es um Nina’s Suizid? Oder wird am Ende vielleicht doch eine Liebesgeschichte daraus? Diese Fragen werden bis zum Abspann nicht endgültig geklärt.


Die Darsteller


Schauspielerisch habe ich absolut nichts zu beanstanden. Jennifer Aniston spielt ihre außergewöhnliche Rolle wirklich überzeugend — der vielleicht an manchen Stellen bedenkliche Schmerzmittelkonsum, die Arztgespräche, ihr nicht wirklich vorhandenes soziales Umfeld oder der Umgang innerhalb einer Selbsthilfegruppe könnten meiner Meinung nach wirklich im Leben eines Schmerzpatienten genau so ablaufen. Man weiß allerdings nicht so recht, was man für diesen Hauptcharakter fühlen soll. Sie ist ziemlich zynisch, nutzt Leute in ihrem Umfeld aus und verhält sich nicht gerade einfühlsam ihren Mitmenschen gegenüber. Trotzdem verspürt man an manchen Stellen Mitleid für diese eigentlich eher unsymphatische Frau — vor allem wenn man aus eigener Erfahrung weiß, wie es sich mit chronischen Schmerzen lebt.
Schade ist allerdings, dass alle Nebencharaktere bei diesem starken Hauptcharakter komplett untergehen. Insbesondere die «Traumgespräche» mit dem Geist der verstorbenen Nina hätte man sich komplett sparen können. Diese Szenen geben dem Film irgendwie etwas Unheimliches und führen etwas zu sehr weg von der Realität.


Fazit


Der Film bleibt mir leider etwas zu sehr an der Oberfläche und erfasst nicht wirklich die Tiefe, die diese Geschichte liefern könnte. Der Fokus dieses Films liegt etwas zu wenig auf dem chronischen Leiden und zu viel auf dem «Drumherum». Man erlebt Claire liegend im Auto, weil sie nicht in der Lage ist zu sitzen und ihren schwerfälligen Gang, wenn sie sich nicht gerade im Bett oder auf der Couch ausruht — soweit so realistisch. Aber mir fehlen hier etwas die kleinen Momente der Verzweiflung und der Angst, die sicherlich jeder Schmerzpatient mehr oder weniger, vielleicht sogar täglich, erlebt, um die perfekt realitätsnahe Umsetzung zu erreichen (auch wenn an dieser Stelle erwähnt werden muss, dass jeder anders mit seinen Schmerzen umgeht und unterschiedlich beeinträchtigt ist!). Möglicherweise liegt das am Charakter der Hauptfigur, da sie psychisch in Bezug auf ihre Schmerzen doch recht abgeklärt wirkt und sich als stark und intelligent präsentiert. Ihr psychischer Leidensdruck wird nur abseits der Schmerzen in anderen Lebensbereichen thematisiert.
Insgesamt ist der Film schon recht nah dran am Schmerzgeschehen und hält sich von zu viel Drama fern. Der körperliche Aspekt einer so gewaltigen Einschränkung der Lebensqualität ist perfekt dargestellt. Leider wird Claire’s Depressivität, die mit den chronischen Schmerzen verbunden ist, zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Man erlebt eine Hauptfigur, die mit psychischen Lasten zu kämpfen hat — allerdings stehen diese nicht primär mit ihren körperlichen Schmerzen in Zusammenhang und die Handlung zieht sich doch sehr — wenn auch manchmal von sehr emotionalen Momenten unterbrochen. Aus diesem Grund wurde das Ziel dieses Films — das Leben einer Schmerzpatientin realitätsgetreu darzustellen- aus meiner Sicht leider verfehlt. Die einzelnen Szenen wirken eher zusammenhangslos und beinahe etwas lieblos aneinandergereiht. Der Film hat mich, trotz persönlichem Bezug zum Thema, nicht wirklich in seinen Bann ziehen können und aus der durchaus spannenden Geschichte hätte man meines Erachtens deutlich mehr machen können.




Wie ist eure Meinung zum Film?



Falls ich trotz des eher negativen Urteils eure Neugier geweckt haben sollte gibt’s hier die DVD:





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