Der Chronifizierungs-Prozess

Mindestens vier Millionen Menschen leiden nach vorsichtigen Schätzungen allein in Deutschland an chronischen Schmerzen. Die Zahl der Menschen, die zumindest zeitweise an Schmerzen leiden, liegt um ein Mehrfaches höher. Damit gehören chronische Schmerzzustände zu den häufigsten und zu den belastendsten Krankheiten in Deutschland.1

 — Edelgard Bulmahn vom Ministerium für Bildung und Forschung —

Der akute Schmerz hat eine wichtige Funktion: Er soll uns vor Verletzungen schützen.
Der chronische Schmerz hingegen hat seine Warnfunktion verloren und hat einen selbstständigen Krankheitswert erlangt.

Viele Fachleute sind der Meinung, dass ein Schmerzzustand dann als chronisch eingestuft werden kann, wenn er länger als sechs Monate andauert.

Als häufigste Ursachen werden genannt:

1. Chronische Erkrankungen, die mit Schmerzen verbunden sind, z.B. Krebserkrankungen, Rheuma oder Diabetes. Der Schmerz ist hier also Begleiterscheiung.

2. Der Schmerz selbst, wenn eine vorher entstandene Ursache nicht (mehr) vorhanden ist, die Schmerzen aber andauern. Länger andauernde Schmerzreize können Nervenzellen sensibler für nachfolgende Reize machen, also schon bei schwächerer Reizung, wie einer Temperaturänderung oder Berührung, Schmerz vermitteln. Hier mündet dann ein ursprünglich akuter Schmerz in die chronische Form.

Unklar ist bis heute, warum bestimmte Schmerzen bei manchen Menschen chronisch werden, bei anderen dagegen nicht. Vermutet werden hier die genetische Veranlagung und psychosoziale Faktoren, also bestimmte psychische Auffälligkeiten wie Angstzustände/Angsterkrankungen und Depression, aber auch das soziale Umfeld des/der Betroffenen.

Die Folgen einer chronischen Schmerzerkrankung können gravierend sein. Beeinträchtigungen im Bereich der psychischen Gesundheit, der Familie, im Berufsleben und damit auch finanzielle Probleme sind keine Ausnahme.

Für Betroffene und ihre Angehörigen kann es besonders belastend sein, wenn dabei keine körperliche Ursache für das lange Andauern der Schmerzen gefunden wird. Häufig fühlen sie sich nicht ausreichend ernst genommen und werden nicht selten als Simulanten angesehen.



1 http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/_media/chronischer_schmerz.pdf

Dieser Beitrag beruht auf Informationen der deutschen Schmerzgesellschaft e.V.:
http://www.dgss.org/patienteninformationen/herausforderung-schmerz/akute-und-chronische-schmerzen/