Mein Psychologie-Studium

Nach meinem Abitur 2013 habe ich zum Wintersemester 13/14 mein Psychologie-Studium an der FernUniversität Hagen begonnen. Zurzeit studiere ich also Vollzeit im siebten Semester und bin bisher ganz zufrieden mit meiner Wahl. Mehr dazu unten 😉


Das Fernstudium — für Schmerzpatienten eine Alternative?

Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS) sind die meisten Schmerzpatienten zwischen 40 und 70 Jahre alt1, also in einem Alter, in dem Studieren nur selten ein Thema ist. Allerdings sind heute auch immer mehr junge Menschen vom chronischen Schmerz betroffen. Für viele ist daher ein «normales» Studium, also ein Studium an einer Präsenzuniversität, nicht oder nur eingeschränkt möglich.

Das Fernstudium könnte in diesem Fall vielleicht eine Alternative sein.

Viele Fern-Hochschulen bieten hier ihre Dienste an, ich beziehe mich in diesem Beitrag aber nur auf meine Erfahrungen an der FernUniversität Hagen. Für einen Überblick über die verschiedenen Hochschulen und Fernstudiengänge/Fernlehrgänge kann ich den Hochschulkompass sehr empfehlen!

Die FernUniversität Hagen bietet neben Psychologie noch die Bachelorstudiengänge Bildungswissenschaft, Kulturwissenschaften, Politikwissenschaft, Verwaltungswissenschaft, Soziologie, Informatik, Mathematik und zwei Studiengänge der Rechtswissenschaften (Bachelor of Laws LL.B. und Erste Juristische Prüfung EJB.) an. Auch Masterstudiengänge und das Akademiestudium sind möglich.

Das Bachelor-Studium Psychologie umfasst insgesamt 11 Module mit einer jeweils verschiedenen Anzahl an Kursen (meistens vier), die ALLE belegt werden müssen. Vollzeitstudenten werden zwei Module pro Semester empfohlen, Teilzeitstudenten jeweils ein Modul (man kann aber auch mehr oder weniger belegen!). Die Regelstudienzeit beträgt sechs Semester.

Die Kurse sind meist in gedruckter Form als «Studienbriefe» mit einer parallelen pdf-Version verfügbar. Diese bekommt man am Beginn des Semesters per Post zugeschickt. Parallel gibt es Online-Vorlesungen, die zum Teil auch verpflichtend sind, und Präsenzseminare in ganz Deutschland. Zwei davon sind auch hier verpflichtend. Zusätzlich gibt es zu den meisten Kursen Pflichtliteratur, die man sich selbst besorgen und durcharbeiten muss.
Am Ende des Semesters finden die Prüfungen statt, meist in Form einer 4-stündigen Modulklausur. Man meldet sich vorher für einen von elf Klausurorten in Deutschland an und ist damit zur Prüfung zugelassen.

Eine Ausnahme bilden die Module M6b (empirisch-experimentelles Praktikum) und M11 (Nichtpsychologisches Wahlpflichtmodul). Für genauere Informationen könnt ihr euch auf der Studiengangsseite der FU Hagen umsehen.

Bis auf die Klausuren und die zwei verpflichtenden Seminare gibt es also KEINE Präsenzzeiten. Bis auf wenige Ausnahmen (wie z.B. oben genannte Module) seid ihr auch in eurer Semestergestaltung ziemlich frei, habt also keine Abgabetermine oder ähnliches. Ihr könnt euch eure Zeit (und eure Energie…) also sehr flexibel einteilen und wenn es eine zeitlang gar nicht geht, könnt ihr den Lernstoff zu einem späteren Zeitpunkt nacharbeiten.
Trotzdem möchte ich an dieser Stelle nochmal betonen, dass auch das Fernstudium ein richtiges Studium ist! Dementsprechend anspruchsvoll ist es auch und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Man muss genauso lernen wie an einer anderen Uni auch!

Da die FernUniversität Hagen eine staatliche Hochschule ist, bezahlt man keine Studiengebühren im eigentlichen Sinn. Das gesamte Bachelor-Studium Psychologie wird hier mit Kosten von 1.800 € angegeben.

ABER ACHTUNG!
Sollte ich hier euer Interesse geweckt haben, muss ich euch (kurzfristig) enttäuschen: Die FernUniversität in Hagen hat derzeit Aufnahmestopp für den Studiengang Psychologie! Aktuell ist hier also keine Einschreibung möglich, nächstes Semester soll es allerdings wieder möglich sein.


Meine Erfahrungen

Ich kann mich bisher wirklich nicht beschweren. Auch wenn ich anfänglich etwas anderes erwartet hatte (nicht so viel Statistik, Geschichte und Biologie) finde ich auch diese Inhalte zum größten Teil doch ganz interessant. Ich kann selbst entscheiden, was ich wann lerne — Ich muss nur bis zu den Prüfungen fertig sein! Genau diese Flexibilität kann aber auch gefährlich werden: Man verschiebt seine Lernzeit immer weiter nach hinten und hängt irgendwann total hinterher.
Ein weiterer Punkt, der nicht zu vernachlässigen ist, ist das Sozialleben! An Präsenzuniversitäten hat man immer Kommilitonen um sich herum, mit denen man lernen oder auch privat etwas gemeinsam unternehmen kann. Im Fernstudium ist das natürlich etwas anders: Es mangelt nicht an Mitstudenten, allerdings befinden sich diese in der ganzen Welt verstreut und man hält hauptsächlich Kontakt über das Uni-interne Forum Moodle oder verschiedene Facebook-Gruppen. Mit realen, sozialen Kontakten gestaltet es sich hier also schwierig, wenn man nicht gerade andere Studenten in der Nähe wohnen hat.

Trotzdem überwiegen hier für mich die Vorteile, denn ein normales Studium mit (täglichen) Anwesenheitszeiten wäre für mich derzeit wahrscheinlich nicht möglich.


Solltet ihr Fragen zu meinem Studium haben, die sich auch durch die Internetseite der FernUni nicht beantworten lassen, könnt ihr mir gerne eine Mail an kontakt@schmerzensangelegenheit.de schreiben.


1 http://www.dgss.org/fileadmin/pdf/ZahlenundFakten_neu.pdf