Was ist Schmerz?

Schmerz — Bis auf ein paar Ausnahmen (auf die ich in einem späteren Beitrag eingehe) hat jeder irgendwann im Laufe seines Lebens schon einmal Schmerz empfunden — sowohl seelisch als auch körperlich.

Der seelische Schmerz verdient meiner Meinung nach einen eigenen Beitrag, also konzentriere ich mich hier auf den körperlichen Aspekt.

Rein biologisch betrachtet ist Schmerz das Zeichen einer tatsächlichen oder drohenden Gewebeschädigung.
Schmerz kann beispielsweise als bohrend, brennend, stechend oder ziehend beschrieben werden, ist also in seinem Charakter sehr individuell; ebenso wie die Schmerzstärke bzw. -intensität. Oft wird hier eine Skala zur Hilfe genommen, auf der der Schmerz von «0» bis «10» eingeschätzt wird. Dabei bedeutet 0, dass überhaupt kein Schmerz empfunden wird, wohingegen 10 der stärkste vorstellbare Schmerz ist.


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Wir lernen schon sehr früh in unserem Leben den Schmerz kennen. Und obwohl er für viele von uns sehr negativ erlebt und bewertet wird, ist er überlebenswichtig und funktioniert wie eine Art Warnsystem.
Man stelle sich dazu mal ein kleines Kind vor, das in seiner unstillbaren Neugier gerade seine Umwelt erkundet, und eine heiße Herdplatte. Würde das Kind keinen Schmerz empfinden können, sind schwerste Verbrennungen die Folge. Wird aber sofort das Schmerzsignal ausgesendet, zieht das Kind seine Hand schnellstmöglich weg und verhindert so Schlimmeres. Der Schmerz hat also auch gute Eigenschaften, das sollten wir nicht vergessen ????

Im Laufe der Evolution ist dieses Warnsystem so verfeinert und verbessert worden, dass wir sogar in bestimmten Situationen die Fähigkeit besitzen, die Schmerzen vorübergehend zu unterdrücken. Bestimmte Botenstoffe sorgen dafür, dass wir trotz schwerster Verletzungen den Schmerz erst später wahrnehmen und so in der eigentlichen Notsituation, z.B. der Flucht vor einem gefährlichen Tier, trotzdem handeln und dadurch sogar unser Leben retten können.


Was passiert dabei in unserem Körper?

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In unserem gesamten Körper befinden sich bestimmte Sinneszellen, deren Aufgabe darin besteht, aufgenommene Schmerzreize über das Rückenmark an das Gehirn zu übermitteln. Die Weiterleitung der Schmerzimpulse im Rückenmark wird auch von absteigenden Bahnen aus dem Gehirn gehemmt (schmerzhemmende Bahnen). Der «Gate-Control-Theorie» von Melzack und Wall nach, befindet sich im Rückenmark eine Art Tor, welches nur ausreichende Reize an das Gehirn weiterleitet. Bestimmte Faktoren wie Stress, aber auch Freude, können hier Einfluss darauf nehmen, wie weit das Tor geöffnet ist und welche Reize durch das Tor gelangen.1

Im Rückenmark können daraufhin Reflexe ausgelöst werden, die eine Anspannung der Muskulatur zur Folge haben. Was bei akuten Schmerzen sinnvoll sein kann (Schutz vor weiterer Beschädigung), führt bei chronischen Schmerzen eher zu einer Schmerzverstärkung.

Im Gehirn übernimmt dann der Thalamus die Aufgabe, das Schmerzsignal an verschiedene Bereiche im Gehirn weiterzuleiten.
In der Großhirnrinde (somatosensorischer Kortex) wird die Schmerzempfindung lokalisiert, im limbischen System erfolgen dann die subjektive Schmerzintensität und die emotionale Schmerzwahrnehmung. Bestimmte Faktoren wie Angst oder Depression können an dieser Stelle Einfluss auf den Schmerz nehmen.

Im Vorderhirn (Frontalkortex) werden die Schmerzen bewertet. Je nachdem, wie jemand seine individuellen Schmerzen beurteilt, kann der Schmerz anders empfunden werden. Schmerzen, die als bedrohlich und unkontrollierbar eingeschätzt werden, können subjektiv als viel stärker empfunden werden. Hier erzeugt z. B. auch die Erwartung von Schmerzen eine Schmerzwahrnehmung, während allein die Aussicht, dass die Schmerzintensität bald abnimmt, die Schmerzen lindern kann.



1 http://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/gate-control-theorie/5513

Dieser Artikel beruht auf meinem eigenen Wissen, was ich mir vor allem mithilfe des Buches «Chronische Schmerzen» von Martin von Wachter aus dem Springer Verlag angeeignet habe. Ich empfehle dieses Buch sehr zur Vertiefung der doch manchmal recht komplexen Thematik, die im Rahmen dieses Artikels nur in einer groben Übersicht dargestellt werden kann.